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Test: WaveLab Pro 9 – Update

Seit ein paar Wochen schickt Steinberg die neunte Version des Wellenlabors ins Rennen. Steinberg Werbung:WaveLab Pro 9 heißt der neue in der Klasse. Die GUI wurde wieder komplett überarbeitet. Auch ein paar neue Plugins hat es gegeben, aber der Hammer für mich ist die eingebaute MS-Matrix! Da ich viel mit WaveLab arbeite, habe ich mir das Update gleich genauer angesehen.

Aller Anfang ist leicht!

Aller Anfang ist leicht!

Auf die Plätze…

Auch WaveLab Pro 9 ist auf aktuellen Systemen lauffähig und das Installieren und Lizensieren ist – wie mittlerweile üblich – simpel. Interessant ist, dass die Steinberger nun auch WaveLab die Silbe „Pro“ spendiert haben. Ob das mit dem „Pro“ so eine tolle Idee ist? Genug „Literaturkritik“…

Blick ins Leere...

Blick ins Leere…

Die Optik

Beim Starten von WaveLab war ich erstmal schockiert! „Da sieht ja alles anders aus und meine gewohnten ShortCuts (WaveLab-Standard) gehen nicht mehr!!!“ Für einen Einsteiger ist diese GUI bis jetzt das Beste, was WaveLab zu bieten hatte, für die alten Hasen ist der zu große Schritt erstmal ein Schock. Macht ja nichts, das haben wir  bereits beim Update von WaveLab 6 auf WaveLab 7 erlebt. Glücklicherweise lässt dieser Schockmoment relativ schnell nach und nach anfänglichem Suchen kommt man schnell mit der neuen Optik zurecht. Diese ist weniger komplex. Am Anfang kann man leicht den Eindruck gewinnen, dass WaveLab Funktionen verloren hat, dem ist aber nicht so! Die stringente Kombination aus Ribbon und Menü-Struktur ist sehr ergonomisch und klar gelöst. So hat WaveLab vom „unübersichtlichsten Programm“ den Marsch zu einer der besten GUIs in der Branche vollzogen und das in nur 3 Versionsnummern.

R128, ganz bequem


R128, ganz bequem

MS für das Volk

Ich habe es schon seit Jahren gefordert: „Baut doch in WaveLab eine MS-Matrix ein, die es erlaubt dem Mitten-Signal eine andere Signalkette zu verpassen wie dem Seiten-Signal.“ Ich musste mir dann immer anhören, dass das nicht geht und man dann mit Latenzen und unsauber arbeitenden Plugins zu kämpfen hätte. Trotzdem haben die Steinberger es nun endlich möglich gemacht. Der geneigte WaveLab Pro 9-User kann nun jedes seiner Plugins entweder nur auf den Mitten-Anteil oder das Seiten-Signal anwenden, ungeachtet etwaiger Beschränkungen des Plugins. Die Laufzeitdifferenzen gleicht WaveLab Pro 9 sehr zuverlässig aus, so muss das sein.

M/S in allen Farben und Geschmacksrichtungen


M/S in allen Farben und Geschmacksrichtungen

Um den M/S-Einstieg zu erleichtern, legen die Hamburger Software-Architekten gleich noch eine Plugin-Suite bei, die das Mastering mit M/S-Material zum Schwerpunkt hat: MasterRig. In diesem virtuellen Effekt-Regal liegen Kompressoren, Equalizer, Saturator (Röhren-Effekt), dynamische Equalizer und Tools zur Bearbeitung des Stereo-Images. Die neuen Werkzeuge sind zwar nicht in der Steinbergüblichen GUI gehalten, aber trotzdem sofort intuitiv bedienbar. Klanglich spielen die Master-Rig-Kollegen oben mit. Sicher wird der geneigte OHRpost-Leser das ein oder andere Software-Tool der Mitbewerber in den Ring werfen, welches komplett oder in einzelnen Aspekten „besser“ erscheint. Jedoch bleibt festzustellen, dass das MasterRig durchaus als „amtlich“ zu bezeichnen ist und gute Dienste leisten wird. Gerade dynamische Equalizer sind nicht als Standard zu sehen, zumindest in den üblichen Pluginpaketen.

Lautheit, schön grafisch!

Lautheit, schön grafisch!

Projekt-ion?

Mit WaveLab Pro 9  hat Steinberg dem Wellenlabor eine ausgefuchste Projektstruktur spendiert. Alle offenen Dateien und Montagen (etc.) sind nun einfach in einem Projekt zusammenfassbar. Das ging vorher nicht. So kann man ein Mastering (…) ganz problemlos unterbrechen und alle offenen Dateien etc. bequem in einer Projekt-Datei abspeichern. Der in WaveLab Pro9 integrierte Projektmanager ist dabei mehr als ein Dateisammler: Es können verschiedene Projekte eingesehen werden und Dateien ausgetauscht/verwaltet werden. Wäre auch was für Cubase und Nuendo! Da denke ich an die alten .arr und .all-Files zurück.

Das Master-Rig erinnert an Cubase, oder?

Das Master-Rig erinnert an Cubase, oder?

Voll integriert?

Ich kann mich noch erinnern: Zu Cubase VST-Zeiten (das ist wirklich ewig her) gab es die Option einen externen Wave-Editor in Cubase zu nutzen. Da konnte man auch WaveLab eintragen, aber es gab keine echte Integration, die über das Hin- und Herspielen einer Audiodatei zum Schneiden hinaus ging. Schade. Jetzt haben die Steinberger eine Schnittstelle integriert, mit der man nicht einfach nur Audio aus Cubase nach WaveLab zwecks Bearbeitung schicken kann, sondern man kann – wenn denn nun schon der Masteringprozess gestartet ist – über eine einfache Schaltfläche wieder zum Cubase/Nuendo-Projekt zurückkehren, falls „Kleinigkeiten“ geändert werden sollen. Toll daran ist, dass man keine zig Ordner durchforsten muss und gleich die richtige Session-Datei findet. Nicht so gut finde ich dabei den Umstand, dass somit kein Mix mehr verbindlich ist, da ja so „ganz schnell“ noch was geändert werden kann. Das fördert nicht unbedingt die Entscheidungsstärke!

Cubase ist nur ein Mausklick entfernt...


Cubase ist nur ein Mausklick entfernt…

Fazit

Scheinbar ist bei Steinberg gerade die Zeit der kleinen/großen Änderungen. Schon das letzte Cubase-Update war, was die Änderungen anging, eine Sammlung von vielen kleinen Verbesserungen und Anpassungen. WaveLab Pro 9 hat zwar zwei größere Änderungen erfahren mit der M/S-Lösung und der neuen GUI, aber auch ein paar kleinere Features und Verbesserungen, die das sprichwörtliche Salz in der Suppe sind. Die engere Verzahnung mit Nuendo/Cubase, um einen gemeinsamen Workflow zu etablieren, ist da noch eine der größeren Kleinigkeiten. Der Startup-Dialog, der Projektmanager, die erweiterten Render-Optionen usw. holen den User da ab, wo WaveLab vorher viel Streuverlust provoziert hat durch eine nicht (mehr) ganz konsistente Bedienung.

MasterRig à la carte

MasterRig à la carte

Alle Kollegen aus der Mastering-Fraktion sollten dringend auf die neue Version upgraden. Wer viel Audiodaten direkt bearbeitet und zwischen Nuendo/Cubase und WaveLab hin und hergerissen ist bzw. springen muss, ist ebenso gut beraten mit dem Update.

Einsteiger werden sich über die sehr gut strukturierte GUI freuen, denn diese Nutzerführung macht nun endlich maximal Sinn, das kennen wir von WabeLab nicht unbedingt.

Richtig Mist ist, dass noch immer nicht alle VST3-PlugIns in WaveLab Pro 9 Unterstützung finden! So sind Reverance-User bspw. außen vor und Mehrkanal-WAV-Dateien sind WaveLab noch immer fremd, obwohl diese Form von Audio-Datei in Nuendo und Cubase seit Jahren unterstützt werden. Das ist nicht wirklich zu verstehen. Dolby, DTS, Auro (…) Encoder wären eine sinnvolle Erweiterung, die sich die Steinberger natürlich als kostenpflichtiges Addon versilbern lassen könnten.

In der Summe bleibt festzuhalten: WaveLab Pro9 ist wirklich ein Udpate wert.

 

Pro

  • Moderater Preis
  • Master-Rig/Universelle MS-Matrix
  • Neue Mastering-Plugins
  • Sehr übersichtliche GUI
  • Integration in Cubase/Nuendo

 

 

Contra

  • Alte Tastaturbefehle funktionieren teilweise gar nicht mehr
  • Änderung der GUI für nicht-Einsteiger etwas zu viel auf einmal
  • Surround-Wav-Dateien werden noch immer nicht akzeptiert

 

Bewertung

Bewertung von Cubase Pro 8.5 - Update

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