Musik, Audio, Medien und Gesellschaft

Test: Cubase Pro 8.5 – Update

Jetzt bin ich aber ganz schön spät dran, mit dem Testbericht für Werbung:Cubase Pro 8.5 und WaveLab Pro 9 ist ja auch schon erschienen – da wird’s auch bald einen OHRpost-Test geben. Aber besser spät als nie…

Werbung:Steinberg Cubase Pro 8.5

Auf den ersten Blick

Lauffähig ist das Update auf den üblichen aktuellen Rechnern und die Installation ist unkompliziert wie immer. Damit sind die Steinberger ja auch – Gott sei Dank – nicht alleine!

Das Arragement

Das Arragement

Die augenfälligsten Neuerungen sind der neue Retrologue (in Version 2) und  VST Transit. Aber auch ein paar „kleinere“ Verbesserungen haben die Programmierer aus Hamburg der neuen Cubase-Version spendiert. Neben einigen Workflow-Verbesserungen, die den Arbeitsablauf noch intuitiver machen sollen, bietet der halbe Versionsschritt zur Version 9 noch Verbesserungen im Mixing und der Midi-Bearbeitung. Das Chor-Pad hat ebenso ein Update erfahren, wie die MediaBay, die nun in Racks organisiert werden kann.

 

Alles Retro

Cubase gehört zu den Sequencern, die bereits „out of the Box“ alles im Angebot haben, was man zur Musikproduktion braucht. Natürlich spricht nichts dagegen, das Plugin-Angebot, welches im Lieferumfang enthalten ist, mit Werkzeugen von Drittherstellern (die objektiv oder subjektiv besser sein mögen) zu erweitern. Trotzdem sind die mitgelieferten Effekte und Klangerzeuger schon eine sehr gute Ausgangsbasis.

Der neue Retrologue

Der neue Retrologue

Zu den oben von mir „über den grünen Klee“ gelobten On-Bord-Software-Synthesizern gehört auch Retrologue. Dieser Software-Synth, der auch gegen einen Obolus von schlanken 99 Euronen für nicht Cubase Pro-User verfügbar ist, ist ein klassischer virtuell-analoger, subtraktiver Synthesizer.

Retrologue

Zunächst haben die Hamburger dem Retrologue in seiner zweiten Inkarnation einen zusätzlichen Oszillator spendiert. Damit kann dieser nun mit drei Stück aufwarten. Unberührt bleibt davon der Sub-Oszillator und der Rauschgenerator. Als neuen Oszillator-Typ ist nun ein so genannter XOR-Oszillator mit im Angebot. Das eröffnet den Klangtüftlern schon eine ganze Menge neuer Möglichkeiten. Auch die Filterbank im Retrologue hat Zuwachs erhalten. 12 neue Filter stehen dem geneigten Nutzer nun bereit. Die zwei zusätzlichen polyphonen LFOs und die weiteren „kleineren“ Anbauten runden hier das Bild ab. Retrologue war schon immer mehr als eine „Zugabe“ zu Cubase, sondern bereits von Anfang an ein eigenständiger Klangerzeuger und in der zweiten Version sogar noch ein gewichtiges Stück mehr als vorher.

Retrologue

Transit-Reisende

VST Connect war nicht der erste Versuch von Steinberg die Musikproduktion in die Virtualität zu holen. Da gab es bereits in den 1990er-Jahren „virtuelle Tonstudios“ und Tools zur Kollaboration via Internet. Das hat es sogar in die lokale Tagespresse geschafft. Digital Musicians (von den beiden Steinberggründern ins Leben gerufen) war quasi als „Side-Project“ ein weiterer Versuch, bis man mit VST Connect einen weiteren Ballon startete, der sich behaupten konnte und sich einer Nutzerbasis erfreut, die nicht als rudimentär bezeichnet werden muss. Generell war auf der letzten Musikmesse die Kollaboration via Internat eines der großen Themen.

Transit-Bereich

Transit-Bereich

Mit VST Transit gehen die Hamburger nun noch einen (logischen) Schritt weiter. Während VST Connect die synchrone Kooperation unterstützen soll, ist VST Transit für den asynchronen Austausch gedacht. Cubase-Projekte können online mit anderen Usern geteilt werden und jeder kann seinen Part (für Cubasianer ein echt doppeldeutiges Wortspiel) dazu beitragen. Ganz offen: Die Kollegen von bspw. AVID haben eine solche Plattform „schon lange“ in der Palette. Da sind die Steinberger eher Mittelfeld (aber nicht Nachzügler). Inwieweit sich diese Plattformen auf lange Sicht in dieser Form durchsetzen, bleibt abzuwarten. Interessant wären durchaus auch Server-Lösungen fürs eigene Studio um eine eigene Infrastruktur unter eigener Kontrolle fahren zu können. Aber in Zeiten der Cloud-Hysterie sehe ich da eher schwarz.

Das neue RACK

 

Frisch gemixt?

Die Media-Bay ist nun in Racks eingeteilt. Naja, das ist mir persönlich fast ein wenig zu „Klicki-Bunti“, aber wenn’s der Musikfindung dient, bitteschön! Im Zuge dessen wurde das Drag‘n'Drop-Verhalten aus der Mediabay verbessert.

Frisch gemixt!

Frisch gemixt!

Endlich können neue Spuren (die Audio ausgeben) direkt beim Anlegen geroutet werden. Somit kann für das Drumrecording gleich ein ganzer Stapel Spuren angelegt werden, die direkt in die Audio-Subgruppe geroutet werden, das spart durchaus Zeit.

Die Hover-Controlls im Mixer sind ebenfalls überarbeitet. Der Zugriff auf die Einstellungen eines Zumisch-Effektes direkt aus dem Send sind wieder verbessert (so wie es einst gewesen). Die Namen der Send-Effekte werden beim Hover der Maus ausgeblendet und die Control-Buttons werden eingeblendet. Dadurch wird die GUI ruhiger und aufgeräumter: Keine Buttons verdecken die Send-Namen. Ich finde diesen Effekt in der alltäglichen Arbeit enorm! Vorher wirkte das Verhalten der Sends wie ein unaufgeräumter Schreibtisch, was jetzt nicht mehr der Fall ist. Solche Kleinigkeiten können die Arbeitszeit tatsächlich verkürzen. Ich habe Cubase innerhalb eines Projektes gewechselt und es fiel sofort auf. Zusätzlich lassen sich die Sends in der Höhe verdoppeln, so dass die Buttons und die Namen sichtbar sind. Ich finde diese Möglichkeit nicht sehr übersichtlich.

 

Werkfluss:

Und Cubase hat es nun endlich doch: Das Feature, welches einige von Logic her schon kennen und mit dem am Parts (Clips, Regions…) endlos hintereinander kopieren kann, einfach mit einem Klick und dem Ziehen der Maus. Ich habe dieses Feature nicht vermisst, hat doch STRG+D für mich ähnlich gute Dienste geleistet, aber überfällig wars. Endlich ist auch das Editieren der Tempospur mit den gleichen Strech-Optionen möglich, wie es bereits mit Automationsdaten bekannt ist. Das eröffnet viele neue Möglichkeiten, vor allem werden diese schnell erreichbar! Ich habe einige Projekte gehabt, bei denen mich das Handling der Tempo-Spur sehr genervt hat. Diese Kritikpunkte sind somit behoben, vielen Dank.

Das neue Transportfeld

Das neue Transportfeld

Der Drum-Editor erlaubt nun die Länge der gespielten Noten vorzugeben. Der Drum-Editor in Cubase stellte bislang nur einen Startpunkt für den Drumsound zur Verfügung und eine „globale“ Länge des Events. Darauf warte ich seit der 2.X-Version auf dem Atari! Nun lässt sich für jede Note die Länge einstellen. Auch das Ausblenden nicht genutzter Instrumente ist hier nun möglich.

Im Key-Editor kann nun mittels Doppelklick eine Note erstellt werden. Wird der zweite Klick „gezogen“, ist es möglich die Länge der Note anzupassen. Damit lässt sich richtig Tempo machen im Editing!

Die Option die Akkord-Bezeichnungen (bzw. Symbole) individuell anzupassen ist nicht nur ein „Nice2Have“, sondern hilft Missverständnisse wegen (nicht nur international) abweichenden Akkordbezeichnungen. Zugegeben: Dieses Feature ist nicht lebenswichtig.

Aux-Send

Für Studios mit verschiedenen Nutzern (Studiogemeinschaft etc.) ist die Möglichkeit Nutzerprofile in Cubase zu verwalten ein klarer Schritt nach vorne. Dabei muss Cubase nicht frisch gestartet werden. Somit ist ein „Schichtwechsel“ im laufenden Betrieb möglich, das kenne ich von keinem anderen Sequencer in dieser Art.

Das neue Feature „Punch-Points“ entkoppelt die Punch-In/-Out-Punkte von den Lokatoren. Ja, ist praktisch und recht intuitiv zu bedienen, aber das Transport-Fenster ist – seit dem ich Cubase nutze – auf vier- oder fünffache Breite angewachsen, wenn man alle Optionen aktiviert: Ich hätte dieses Feature nicht gebraucht. Keep It Simple.

 

Fazit

Mit schlappen 49 Euronen ist man bei diesem Update dabei. Wer den Retrologue regelmäßig nutzt, ist gut beraten den „Fuffi“ anzulegen, denn was dort hinzugekommen ist, ist knapp vor spektakulär. VST Transit ist eine nötige und logische Entwicklung. Die Bedienung im Alltag scheint noch ein wenig „wackelig“ zu sein. Ich habe noch nicht viel mit diesem Feature gearbeitet, so dass ich mich hier etwas bedeckt halte. Richtig interessant wäre eine Lösung, die Cubase, Nuendo, Logic, ProTools…-User in eine musikalische Cloud bringt, damit ist jedoch nicht zu rechnen, schade!

Alles im Multiband...

Alles im Multiband…

Die vielen „kleinen“ Workflow Verbesserungen haben es durchaus in sich. Lebenswichtig ist keine davon, aber eine aufgeräumte GUI ist kein Luxus, sondern gehört in die DAW der Wahl.

Kaufempfehlung für alle, die viel mit Retrologue arbeiten und mit Kollegen kollaborieren, die physisch nicht direkt greifbar sind (VST Transit). Alle anderen sollten sich das Update zumindest anschauen, und dann selbst entscheiden.

 

 

Pro

  • VST-Transit als eigene Cloud-Lösung
  • Retrologue 2 Verbesserungen
  • Preis
  • Akkord-Symbole und Bezeichnungen sind anpassbar
  • Nutzerprofile
  • Neue Time-Strechting Optionen
  • Überarbeitung der Editoren
  • Workflowverbesserungen

 

Contra

  • Verbesserungen springen nicht so ins Auge, wie das bei anderen Updates der Fall war

Bewertung

Bewertung von Cubase Pro 8.5 - Update

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