Musik, Audio, Medien und Gesellschaft

Test: Behringer Model D – Analogsynthesizer

Jahrelang galt Behringer als Billigmarke, von der man nicht viel erwarten könne. Ich habe oft dagegengehalten, denn im direkten Preis-/Leistungsverhältnis sind die meisten Sachen OK bis gut gewesen. Nun haben die Entwickler aus dem Hause Behringer ein paar Analog-Synthesizer angekündigt, von denen auch schon der ein oder andere erschienen ist. Schon etwas länger ist der Moog-Nachbau Model D beim Musikalienhändler des Vertrauens zu erstehen. Selbstverständlich werfe ich da einen genaueren Blick darauf.

First Look

Ein kleiner, weißer Karton: der erste Eindruck meines neu erstandenen Model D war recht unscheinbar. Beim Schälen aus der Verpackung kommt der Model D selbst, eine Kurzanleitung sowie ein Flachbandkabel nebst zwei Patchkabel (Miniklinke) für die Eurorack-Montage zum Vorschein. Das „Handbuch“ ist eine Enttäuschung. Ich kenne Behringer noch aus einer Zeit, in der die Handbücher richtig gut waren, mehrsprachig und oft deutlich über den Tellerrand hinausblickten. Glücklicherweise findet der internetaffine Musiker online ein englischsprachiges Handbuch als PDF. Wenigstens etwas. Allerdings kann das Handbuch an die alte Ära, in der das Handbuch eben ein richtiges Buch war, nicht anschließen. Es wird alles erklärt, aber die früher oft ausführliche Anwendungsbeschreibung mit vielen Tipps ist das nicht. Schade, aber kein Beinbruch.

Model D Boxed

Model D Boxed

Im Einsatz

Der Model D ist ein Nachbau des besagten Moog; Punkt. Damit ist eigentlich alles gesagt. Die Bedienelemente sind identisch, der Klang weitgehend auch:

Selbstverständlich ist der kleine Behringer deutlich schmaler als das Vorbild und auch die Bedienelemente machen nicht den gleichen wertigen Eindruck wie beim echten Werbung:Moog. Der Preis ist allerdings auch nur ein Zehntel. Mit diesem Umstand im Hinterkopf macht der Nachgebaute eine verdammt gute Figur. Gerade für mich – einem stolzen Besitzer von dicken Wurstgriffeln – sind die engen Bedienelemente nicht sehr komfortabel. Zwar kann ich das gute Stück recht gut bedienen (ich erinnere mich da an ein Interface von MOTU, welches wirklich kaum nutzbar war für nicht-filigrane Menschen), Komfort ist aber was anderes; schade. Wir sprechen hier allerdings über einen echten monophonen Analog-Synthesizer für ca. 300 Euronen, da geht das voll in Ordnung.

Behringer Model D Rückansicht

Zwei Ausgänge (Hi & Low) mit unterschiedlichem Pegel und die DIP-Schalter fürs Kaskadieren.

Im Feld-Einsatz macht der Model D also einen guten bis sehr guten Eindruck. Er klingt wie er soll, nicht mehr und nicht weniger. Aber das ist ja der Job eines Nachbaus. Richtig toll wäre gewesen, wenn man mittels einer Software die Patches auslesen kann (also quasi die Poti- und Schalterstellungen auslesen könnte) um dann komfortabler „speichern“ und wieder herstellen zu können, das dürfte aber für diesen Preis einfach zu viel verlangt sein. Im PDF-Handbuch liegt ein großes Sheet bei, um die Patches grafisch festhalten zu können, sehr schick.


Ich habe für das Dan Van Daan-Album – welches im Frühjahr 2019 kommen soll – ein paar Tracks mit dem produziert, wer errät welche? Auch bei der Film-Version des Stückes „Obsedo“ war der kleine Schwarze beteiligt.


Besonders interessant finde ich die Option den Werbung:Model D mit anderen Brüdern (oder Schwestern?) zu kaskadieren und so ein wenig Polyphonie zu ermöglichen. Bis zu 16 Model D können so verschaltet werden. Ein Mäuse-Klavier auf der Rückseite (DIP-Schalter) erlauben die Adressierung.
Mir persönlich sind die Hüllkurven nicht fix/nicht knackig genug, auch die Wellenformen wären klanglich etwas verbesserbar – für meinen Geschmack. Würden die Entwickler aus Behringer-City das jedoch machen, wäre der Nachbaustatus doch etwas in Gefahr, so gesehen: alles gut!

Fazit

Ich war sehr skeptisch, als ich vor zwei oder drei Jahren das erste Mal von den Plänen bei Behringer gehört habe Synthesizer zu bauen. Als mir dann klar wurde, dass man Größen kopieren wollte, war ich gleich etwas mehr am Zweifeln. Allerdings weiß der kleine Moog-Clone wirklich zu überzeugen. Der Klang ist richtig toll. Selbst Moog-Kenner bescheinigen dem 10-fach günstigeren Pendant einen astreinen Klang der dicht bis sehr dicht am großen Vorbild dran ist. Die Option auf Nutzung in einer Modular-Umgebung und die Schnittstellen zu den Steuersignalen spricht sehr für den kleinen. Wünschenswert wäre noch ein kleiner „Editor“ gewesen, der die Poti- und Schalterstellungen speichert und diese visualisiert, wenn man einen Patch rekonstruieren möchte. Das wäre allerdings nicht mehr für den Preis möglich gewesen.
Ich gebe dem kleinen Behringer eine glasklare Kaufempfehlung für alle „Gelegenheitsschrauber“, die mal „analog probieren“ wollen, bis hin zu den Analog-Profis.

Alles dabei, das Zubehör

Alles dabei, das Zubehör

Pro

  • Preis/Leistungsverhältnis
  • Klang
  • Kaskadierbarkeit
  • Sheet zum Notieren der Einstellungen im Handbuch dabei (Quasi zum „Speichern“)

Contra

  • Größe, Bedienelemente durchaus recht dicht

Werbung:

Analoges und Digitales

Das könnte Dich interessieren...

Eine Antwort zu “Test: Behringer Model D – Analogsynthesizer”

  1. […] Test: Behringer Model D – Analogsynthesizer […]

    über WordPress 5.0.1 WordPress 5.0.1

Schreibe mir

@

XHTML: Erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

OHRpost läuft stressfrei mit WordPress | WPD und Kommentare (RSS)
OHRpost ist ein Projekt von Florian Scholz - Design: 2014-2018 FCScholz.de     Impressum   |   Datenschutzerklärung