Musik, Audio, Medien und Gesellschaft

GAME-Soundtracks auf die Bühne

Stunden nach der Schule und am Wochenende verbrachten wir vor den Rechnern, in meinem Falle meist ein AMIGA, und spielten diese „doofen“ Computerspiele. Manche „zockten“ an einer Konsole, andere am PC: Aber eines war und ist diesen Systemen gemein: Sie sind, nach heutiger Sicht, absolute technisch Krücken und boten auf dem Multimedia-Sektor nicht sehr viel – nach heutigem Maßstab.

Den geneigten Leser muss ich gleich „warnen“: Wer sich für solche Soundtracks interessiert und somit anfällig für „Youtube-Sessions“ ist, wird hier und heute einiges an Zeit „verbrennen“, versprochen.

Wir waren bei den mangelnden Multimedia-Fähigkeiten der damaligen Systeme stehen geblieben:

Das hatte aber unweigerlich zu Folge, dass bei den „Special Effects“ improvisiert werden musste. Dank gewisser Kniffe wurden Kisten wie der Atari oder der Amiga am Rande des technisch machbaren betrieben und teilweise sogar das Betriebssystem völlig umgangen. (Daraus resultiert auch die Tatsache, dass manche Spiele auf dem Atari und dem Amiga liefen, da die Hardware sehr ähnlich war.)

Auch was TON anging waren die schönen alten Boliden „beschränkt“. Der Amiga, beispielsweise, war vierkanalig. Die Musikprogramme die ich für den Computer mit dem Mädchennamen (Amiga = Freundin) hatte, schafften nur vierfache Polyphonie! Besser machten es da manche Spiele und spätere Musikprogramme, die dem Amiga acht Töne zeitgleich entlocken konnten –> PARADIES. Andere „Computer“ schafften nur einen, zwei oder drei Töne gleichzeitig! Da muss natürlich um so mehr improvisiert werden. Aber dadurch, dass die Musiker dieser Zeit improvisieren mussten, und zwar auf der technologischen Ebene, und die Übergänge zur Programmierung fließend waren, ergaben sich neue Herangehensweisen, Klangfarben und Ideen. Wiedermal zeigt sich, dass die Beschränkung der Produktionsmittel durchaus die Kreativität fördern kann: Ich fand‘ mich mit Synthesizer und Sampler oftmals deutlich kreativer 😉

Aber ich war ja bei den beschränkten Möglichkeiten der heimischen Unterhaltungselektronik, oder auch Amüsier-Technik, wie ein „alter“ Rundfunk-Kollege das immer so treffend nennt. Es gibt VSTis die diese SID-Technik emulieren, oder einfach nur so ähnlich klingen wie Gameboy, SuperNES und Co. (Es gibt einen ganzen ZOO an C64/SID-PlugIns, evtl. reiche ich mal einen Test nach 🙂 ) Es gibt und gab auch Synthesizer, die auf diesen Chips basieren. In einem BLOG habe ich eine DIY-Lösung gefunden und an einen Test-Bericht der SID-Station in der Keyboards erinnere ich mich auch noch! Diesen Sound „schätzen“ wir alle aus Spielen wie „Super Mario“, „Tetris“ und Kollegen. Fast! Es handelt sich beim Gameboy, dem NES und dem Super-NES nämlich gar nicht um SID-Chips, der Klang der zitierten Themes ist aber sehr ähnlich! Nur waren die bei den eben erwähnten Nintendo-Lösungen verbauten Sound-Chips dem „echten SID“ überlegen. „Echter SID“ klingt so. Evtl reiche ich mal ein Tutorial nach und erkläre, wie man den SID-Sound/Retro-Game-Sound mit heutigen Sequenzern nachbauen kann!

Auf was ich aber hinaus will und wollte: Computerspiele-Musik ist genauso ein Teil der Kultur (geworden) wie die Film- und davor Theater-Musik. Einige Musiker interpretieren die Musik neu, orchestrieren diese …

Besonders gut gefällt mir die „Band-Version“ der Musik aus „Monkey Island“, die die Band „Press Play On Tape“ auf die Bühne bringt – ein echter Klasiker! Diese Version ist schon, nach meinem Dafürhalten, die beste im Internet, aber es gibt noch ein paar andere gute aus dem MI-Soundtrack: „LeChuck’s Theme“. Es gibt auch eine Metal-Version. Auch eine Version für Ukulele und Bass habe ich gefunden. Auch Versionen des SCUMM-Bar-Theme und des Main-Theme. Und ganz selten: Elaine’s Theme. Das SCUMM-Theme auch Genre-typisch auf der „Quetsche“. Auch selten das Lookout-Theme. Oder auch ganz ruhig das Main-Theme… Die Titelmusik eines späteren Monkey-Island-Nachfolgers gibt es auch von einem Orchester gespielt. Als die Spielreihe 1991 startete, waren Orchester-Aufnahmen für Spiele einfach noch nicht Realität, bestenfalls Spinnerei! Original klang das ganze auf dem Amiga so.

Auch die Tetris-Musik fand den Weg aus der Virtualität. Sogar bis in die Gotteshäuser reicht dieser Weg! Auch schräge „Formationen“ spielen die „Tetris-Hymne“. Sogar Dudelsäcke dudeln Tetris. Tetris selbst hat ja russische Wurzeln, und so auch die Musik der Gameboy-Version: Es basiert auf dem Lied Korobeiniki, das auf einem gleichnamigen Gedicht von Nikolai A. Nekrassow beruht.

Die Musik von Super Mario wurde von dem Japaner Kōji Kondō dem kleinen Klempner auf den Leib geschrieben. Auch dieses Theme gibt es mit großem Sound: Mit Bigband, Orchester, Band, deutsche Blaskapelle, Kirchenorgel und Hochspannungsanlage. Aber auch „klein“ findet diese Musik statt: mit dem Fernlenkauto, der Ocarina oder der „Quetsche“.

Ich könnte Stunden so weitermachen, es finden sich einfach zu viele „Derivate“ der Spieleklassiker.

Aber auch eine Moderne „Saga“ möchte ich ins Feld führen:

1991 „erschuf“ Sid Meier die Völkersimulation „Civilization“. Mittlerweile ist die fünfte Version des Spiels in den Regalen. Im vierten Teil ist ein ganz toller Song dabei, der Theme-Song heißt „Baba Yetu“. Es handelt sich dabei um eine Swahili-sprachige Vertonung des „Vater Unsers“, die extra von Christopher Tin komponiert wurde und für den der Komponist 2011 mit dem Grammy geehrt wurde. Dieser „Song“ ist in diversen Schulen, von diversen Orchestern und Chören aufgeführt worden. Da lohnt sich eine Youtube-Session (Achtung da verbrennt echt schnell Zeit!). Dazu gibt es einen schönen Text (Interview) mit zig Vertonungsbeispielen auf einer Civ-Fansite.

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2 Antworten zu “GAME-Soundtracks auf die Bühne”

  1. cit r0ne sagt:

    Amiga fand ich auch klasse, aber nicht für Sound sondern für Grafiken, denn der Amiga war nicht nur in Multitasking seinr Zeit vorraus, auch die getricksten 4096 Farben waren der CGX-Grafik des PCs oder der läppischen 16 Farben eines STs überlegen! Aber Musik war auch ein Thema aufdem Amiga, so ist ja chris Hülsback kein unbekannter gewesen, der sogar echte CDs aufnahm und vermarktete! 🙂

  2. Florian sagt:

    Ja, die damaligen Kisten waren konzeptionell 10 Jahre und mehr voraus! Ich erinnere nur an den Atari Falcon…

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